"Erst wenn wir auch unangenehme und schmerzliche Einsichten in die Hintergründe unseres Denkens, Fühlens und Handelns nicht mehr durch innere Interessen und Ängste uminterpretieren, umdeuten und verdrängen, eröffnen sich in der Auseinandersetzung mit ihnen neue Freiheiten."
Franz Ruppert
Wer bin ich? Was will ich? Das sind zentrale Fragen von uns allen. Lebe ich mein Leben nach meinen Vorstellungen? Lebe ich gesunde Beziehungen? Oder lebe ich etwas, das ich vielleicht gar nicht will? Welche Ausrichtung hat mein Leben - orientiere ich mich an meinen eigenen Bedürfnissen oder an denen anderer Menschen? Werde ich von Verhaltensweisen bestimmt, die ich nicht zu durchbrechen vermag, obwohl sie mir nicht gut tun? Was ist meine wirkliche, gesunde Identität und was sind Identifizierungen?
Viele Probleme haben ihre Ursachen an ganz anderer Stelle, als wir es vermuten. Diese Ebenenverschiebungen sind uns jedoch in der Regel nicht bewusst. Abgespaltene und verdrängte Gefühle erzeugen die Tendenz zu ihrer Wiederholung; so beruhen viele aktuelle Konflikte auf alten, ungelöst gebliebenen Traumatisierungen. Selbstbegegnungen mit der Anliegenmethode dienen dazu, verdeckte psychische Realitäten sichtbar zu machen um sie emotional verarbeiten zu können - damit eine Zukunft im Kontakt mit uns selbst möglich wird, ohne die Vergangenheit ewig unbewusst wiederholen zu müssen.
Die Arbeit mit der Anliegenmethode basiert auf der Identitätsorientierten Psychotraumatheorie (IoPT®). Sie wurde entwickelt von 2000-2023 von Prof. Franz Ruppert. Über Resonanzphänomene gewinnen wir Zugang zu unbewussten und teilweise präverbal gespeicherten psychischen Strukturen, Empfindungen, Emotionen (entstanden z.B. durch frühkindliche Bindungserfahrungen und vorgeburtliche Prägungen). Dadurch erhalten wir die Möglichkeit, die Vielfalt unserer eigenen Trauma-Überlebensstrategien und Reinszenierungen zu erkennen und verdrängte Erfahrungen und Gefühle emotional zu verarbeiten. Ziel der Arbeit ist die Förderung unserer weiterhin vorhandenen gesunden psychischen Anteile, die Entwicklung einer gesunden Ich-Struktur, einer gesunden Willensfunktion und die Integration von abgespaltenen (Trauma-)Gefühlen. So finden wir einen Weg aus der psychischen Dissoziation und Fragmentierung, zurück zu einer Assoziation unserer inneren Anteile und innerer Ganzheit - von der wir keine Gefühle, Realitäten oder Erfahrungen mehr abspalten oder verdrängen müssen. Entscheidend für diesen integrativen Veränderungsprozess ist die emotionale Eigenresonanz, welche in den einzelnen Selbstbegegnungen zustande kommt und gefördert wird.
Ausgangspunkt für die zielgerichtete therapeutische Arbeit ist Ihr Anliegen. Deshalb wird diese Methode 'Anliegenmethode' genannt. Wer für sich arbeiten möchte, überlegt sich ein eigenes Anliegen, welches er/sie angehen möchten. Das Anliegen ist Ihre Intention für die Sitzung, warum Sie gekommen sind, was Sie erreichen wollen. Es ist ein Ziel, ein Wunsch, eine Fragestellung - eben das, womit Sie sich innerlich auseinandersetzen und einen Schritt weiterkommen wollen. Mit dem Anliegen an einen therapeutischen Prozess setzen Sie die innere Route, sich mit sich selbst zu beschäftigen, mit sich in Kontakt zu kommen und die psychischen Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Durch Traumatisierungen fragmentiert unsere Psyche und verliert die Möglichkeit, sich selbständig wieder aus dieser Fragmentierung zu befreien. In uns wirken dann 'Kräfte', psychische Strukturen oder sogenannte 'innere Anteile', die andere psychische Strukturen (insbesondere Traumagefühle) unterdrücken. Durch die therapeutische Selbstbegegnung wird ein Raum geöffnet, in welchem Sie Ihren abgespaltenen inneren Anteilen (Traumagefühlen) begegnen können, wodurch eine Annährung und letztlich eine Integration ermöglicht werden soll. Entscheidend für die therapeutische Veränderung ist die emotionale Eigenresonanz, die während des Prozesses entsteht: der Zugang zu unseren tiefen (meist verdrängten) Gefühlen. Es ist ein Selbsterfahrungsprozess, den ich mit unterstützenden Interventionen begleite. Berücksichtigt werden dabei die Erkenntnisse der Bindungs- und Traumaforschung sowie der Pränatalpsychologie.
Ziel des therapeutischen Prozesses ist es, mit inneren verdrängten Persönlichkeitsanteilen in Kontakt zu kommen um diese zu integrieren. Wieder integrierte Gefühle blockieren uns nicht mehr. Energie wird frei und Hindernisse, die der Erfüllung des Anliegens im Weg stehen, werden aus dem Weg geräumt. Diese Selbstbegegnungen mit verdrängten inneren Anteilen ermöglichen tiefe und effektive Entwicklungsimpulse.
Die Arbeit kann in der Gruppe, im Einzelsetting, online oder sogar telefonisch stattfinden. In einer Gruppe wird der Traumaanteil um den es geht, durch die Auswahl eines/einer menschlichen Resonanzgeber/in gespiegelt. In der Einzelarbeit erspüren Sie unter meiner Begleitung selbst, was sich in Ihnen und der Begegnung mit Ihrem Anteil zeigt. Die Gruppen bieten für alle Teilnehmer & Teilnehmerinnen die Möglichkeit, auch ohne eigene Arbeit tiefe Erkenntnisse in psychische Prozesse zu gewinnen.
Meine Gruppentermine finden Sie unter dem Menüpunkt TERMINE
Noch ein Hinweis zur Differenzierung:
Die Identitätsorientierte Psychotraumatherapie® unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von den Verfahren des 'Familienstellens' oder den 'systemischen Aufstellungen'. Schon der Name verrät, dass bei der Identitätsorientierten Psychotraumatheorie® & -therapie nicht 'die Familie' oder ein 'System' sondern die Identität eines Menschen und seine innerpsychische Identitätsentwicklung im Fokus steht.
Bei Familien- oder Systemaufstellungen ist es verbreitet, die Lösung oder den 'Platz' innerhalb des Systems zu suchen. Leider ist genau das in destruktiven Systemen nicht möglich, ohne den hohen Preis der inneren Selbstaufgabe zu zahlen. Innerhalb eines Täter-Opfer-Systems gibt es nur die Wahl Täter- oder Opfer zu sein. In einem solchen Fall ist der Ausstieg aus dem destruktiven System der einzig gesunde Ausweg. Ferner ist es bei manchen Aufstellungsformen Usus, das Ergebnis in Richtung des gewünschten Idealbildes manipulativ zu konstruieren. Das Bedürfnis nach raschen Lösungen ist verständlich, es entspringt dem Wunsch nach sofortiger Beseitigung der inneren Spannungszustände und der Vermeidung unangenehmer, meist schmerzhafter Gefühle. Konstruierte oder manipulierte 'Lösungen' im Außen rücken jedoch etwas anderes in den Mittelpunkt als das, was innerlich real ist. Die innere Realität bleibt weiterhin verdrängt, die inneren Konflikte ungelöst. Künstlich inszenierte 'Lösungen' sind vielleicht eine kurzfristig erleichternde Illusion, bewirken aber keine dauerhafte Veränderung auf innerpsychischer Ebene. Die Ursache für Probleme und Konflikte, nämlich die psychische Abspaltung verdrängter Traumagefühle, bleibt bestehen und wirkt im Verborgenen weiter, wodurch sich die Spirale der unbewussten Reinszenierungen weiterdreht.