Praxis für Psychotraumatherapie
Praxis für Psychotraumatherapie

Identitätsorientierte Psychotraumatherapie (IoPT)   / Selbstbegegnung mit der Anliegenmethode

nach Prof. Franz Ruppert

 

"Erst wenn wir auch unangenehme und schmerzliche Einsichten in die Hintergründe unseres Denkens, Fühlens und Handelns nicht mehr durch innere Interessen und Ängste uminterpretieren, umdeuten und verdrängen, eröffnen sich in der Auseinandersetzung mit ihnen neue Freiheiten."

 

                                             Franz Ruppert

 

Wer bin ich? Was will ich? Das sind zentrale Fragen von uns allen. Lebe ich mein Leben nach meinen Vorstellungen? Lebe ich gesunde Beziehungen? Oder lebe ich etwas, das ich vielleicht gar nicht will? Welche Ausrichtung hat mein Leben - orientiere ich mich an meinen eigenen Bedürfnissen oder an denen anderer Menschen? Werde ich von Verhaltensweisen bestimmt, die ich nicht zu durchbrechen vermag, obwohl sie mir nicht gut tun? Was ist meine wirkliche, gesunde Identität und was sind Identifizierungen?

 

Viele Probleme haben ihre Ursachen an ganz anderer Stelle, als wir es vermuten. Diese Ebenenverschiebungen sind uns in der Regel jedoch nicht bewusst. Abgespaltene Gefühle erzeugen die Tendenz zu ihrer Wiederholung; so beruhen viele aktuelle Konflikte auf alten, ungelöst gebliebenen inneren Traumatisierungen. Die Anliegenmethode dient dazu, verdeckte psychische Realitäten sichtbar zu machen und emotional verarbeiten zu können - damit eine Zukunft im Kontakt mit mir selbst möglich wird, ohne die Vergangenheit ewig unbewusst wiederholen zu müssen.

 

Die Anliegenmethode basiert auf der Identitätsorientierten Psychotraumatheorie (IoPT). Sie wurde entwickelt von Prof. Franz Ruppert, auf dessen Therapeuten-/Empfehlungsliste Sie mich finden. Über Resonanzphänomene gewinnen wir Zugang zu unbewussten und teilweise präverbal gespeicherten psychischen Strukturen, Empfindungen, Emotionen (entstanden z.B. durch frühkindliche Bindungserfahrungen und vorgeburtliche Prägungen). Dadurch erhalten wir die Möglichkeit, die Vielfalt der eigenen Trauma-Überlebensstrategien und Reinszenierungen zu erkennen und verdrängte Erfahrungen und Gefühle emotional zu verarbeiten. Ziel der Arbeit ist die Förderung unserer weiterhin vorhandenen gesunden psychischen Anteile, die Entwicklung einer gesunden Ich-Struktur, einer gesunden Willensfunktion und die Integration von abgespaltenen (Trauma-)Gefühlen. Dadurch finden wir den Weg aus der psychischen Dissoziation, zurück zu einer Assoziation unserer inneren Anteile und der inneren Ganzheit - von der wir keine Gefühle, Realitäten oder Erfahrungen mehr abspalten oder verdrängen müssen. Entscheidend für diesen integrativen Veränderungsprozess ist die emotionale Eigenresonanz, welche in den einzelnen Selbstbegegnungen gefördert wird.

 

Ausgangspunkt für die zielgerichtete therapeutische Arbeit ist Ihr Anliegen. Deshalb wird diese Methode 'Anliegenmethode' genannt. Wer für sich arbeiten möchte, überlegt sich ein eigenes Anliegen, welches er/sie angehen möchten. Das Anliegen ist das Ziel, das Ergebnis, ein Wunsch, eine Fragestellung, womit Sie sich beschäftigen wollen. Es ist die innere Route, sich mit sich selbst zu beschäftigen, mit sich selbst in Kontakt zu kommen und die psychischen Selbstheilungskräfte zu aktivieren. In Ihrem Anliegen ist Bewusstes sowie immer auch viel Unbewusstes enthalten. Es zeigt den Wunsch nach Veränderung, Blockaden, Schwierigkeiten und die Hintergründe dazu. Das Anliegen zeigt unsere inneren Bestrebungen und die Möglichkeiten und Grenzen für den nächsten Entwicklungsschritt. Entscheidend dabei ist die emotionale Eigenresonanz, die während des Prozesses entsteht, der Zugang zu unseren tiefen (meist verdrängten) Gefühlen. Es ist ein Selbsterfahrungsprozess, den ich mit unterstützenden Interventionen begleite. Berücksichtigt werden dabei die Erkenntnisse der Bindungs- und Traumaforschung sowie der Pränatalpsychologie.

 

Ein Anliegen kann ein Satz sein, eine Aussage, eine Frage, eine Zeichnung, Satzfragmente oder eine Ansammlung von Worten. Es ist Ihr Anliegen, Ihre Intention und das, worin Sie sich selbst begegnen wollen. Im Laufe der Zeit hat sich folgende sinnvolle Arbeitsweise entwickelt: entweder sollte das Anliegen von vorneherein nicht mehr als maximal 3 Elemente enthalten oder Sie wählen aus Ihrem Anliegen maximal 3 Elemente für die Resonanz aus. Diese Beschränkung resultiert aus der Erfahrung, dass eine Reduktion eine Fokussierung bedeutet. Je mehr Elemente enthalten sind, desto mehr Themen werden in einem Prozess 'aufgemacht' und eine effektive emotionale Verarbeitung blockiert. Es sind auch mehr Trauma-Überlebensstrategien enthalten, wodurch der Fokus auf das Wesentliche verschleiert wird. Entscheidend ist das Zustandekommen einer emotionalen inneren Resonanz. Diese emotionale Eigenresonanz ist wesentlich für den therapeutischen Entwicklungsschritt und die innere Veränderung. Dieser emotionale Zugang kommt i.d.R. über einen inneren psychischen Anteil zustande. 

 

Ihr Anliegen hat bewusst wie unbewusst eine besondere Bedeutung für Sie und im Verlauf der Arbeit gewinnen Sie (emotionalen) Zugang zu diesen Bedeutungsebenen. Sie kommen mit inneren Persönlichkeitsanteilen in Kontakt. So wie in unserer Mimik, Körperhaltung und Bewegung schwingt auch in unseren Worten und Symbolen das Unbewusste immer mit. Es werden verschiedene innerpsychische Strukturen sichtbar: gesunde Anteile, traumatisierte Anteile und Trauma-Überlebensstrategien. Auf diese Weise ergibt sich ein differenzierter Zugang zu Ihrer inneren psychischen Struktur. Wir begegnen uns selbst. Wir bezeichnen diese Arbeit deshalb als 'Selbstbegegnung', nicht 'Aufstellung'. Diese Selbstbegegnungen ermöglichen tiefe und effektive Entwicklungsimpulse. 

 

Die Arbeit kann in der Gruppe, im Einzelsetting und sogar online stattfinden. In einer Gruppe werden die Elemente des Anliegens durch die Resonanz menschlicher Repräsentanten (Resonanzgeber) gespiegelt, in der Einzelarbeit erspüren Sie selbst, was sich in den Anteilen Ihres Anliegens zeigt. In den Gruppen bietet sich auch die Möglichkeit ohne eigene Arbeit durch die Teilnahme, z.B. durch Erfahrungen als ResonanzgeberIn, tiefe Erkenntnisse in psychische Prozesse zu gewinnen. 

Sehr produktiv sind auch feste Kleingruppen. Dazu finden sich 3-5 Personen zusammen, die in regelmäßigen Abständen zu einem Gruppentermin in die Praxis kommen um an sich zu arbeiten. Die Gruppenmitglieder gehen ihren Entwicklungsweg gemeinsam und können sich auf ihrem Weg gegenseitig unterstützen.

 

Alle Gruppentermine finden Sie unter dem Menüpunkt TERMINE

 

Noch ein Hinweis zur Differenzierung:

Die Identitätsorientierte Psychotraumatherapie / 'Anliegenmethode' unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von den Verfahren des 'Familienstellens' oder der 'systemischen Aufstellungen'. Schon der Name verrät, dass bei der Identitätsorientierten Psychotraumatherapie nicht 'die Familie' oder ein 'System' sondern die innerpsychische Identitätsentwicklung des einzelnen Menschen im Fokus steht.

 

Bei vielen Formen von 'Familien- oder Systemaufstellungen' ist es verbreitet, sogenannte 'Lösungen' oder 'Lösungssätze' finden zu wollen, wobei das Ergebnis in die Richtung des gewünschten Idealbildes konstruiert/manipuliert werden soll. Das Bedürfnis nach raschen Lösungen ist verständlich, es entspringt dem Wunsch nach sofortiger Beseitigung der inneren Spannungszustände und der Vermeidung unangenehmer, meist schmerzhafter Gefühle. Konstruierte oder manipulierte 'Lösungen' im Außen rücken jedoch etwas anderes in den Mittelpunkt als das, was innerlich real ist. Diese innere Realität muss weiterhin verdrängt werden. Künstlich inszenierte 'Lösungen' im Außen sind eine kurzfristige Illusion, bewirken aber keine dauerhafte Veränderung auf innerpsychischer Ebene. Die Ursache für Probleme und Konflikte, nämlich die psychische Abspaltung verdrängter Traumagefühle, bleibt bestehen und wirkt im Verborgenen weiter.

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