Praxis für Psychotraumatherapie
Praxis für Psychotraumatherapie

Was ist ein Kindheitstrauma?

"Der Zugang zu unserer Geschichte als Kind verleiht uns die Freiheit, treu zu uns selbst zu sein, das heißt unsere Emotionen fühlen und erkennen und unseren

Bedürfnissen gemäß handeln zu können."

 

                                                      Alice Miller

 

Die Kombination von großem Schmerz und völliger Unentrinnbarkeit, die bei Erwachsenen zu einem Trauma führt, erleben diese in der Regel nur bei Unfällen, im Falle eines Verbrechens und bei Katastrophen. Ganz anders bei Kindern: Bei vielen Kindern ist das Erleben einer solchen Traumaerfahrung etwas, das sich im Alltag abspielt. Als Kinder sind wir aufgrund unserer Hilflosigkeit und Abhängigkeit besonders anfällig für Traumatisierungen. Gerade die subtilen, psychischen Verletzungen sind meist die schmerzhaftesten. Solche Erlebnisse werden nicht verkraftet, sondern verdrängt. Ungewollt oder beinahe abgetrieben worden zu sein, in eine emotional belastete Familie hineingeboren zu werden, von Anfang an nicht ‚gemeint‘ zu sein, weil unsere Eltern bestimmte Erwartungen an uns haben, vielleicht lieber einen Jungen oder ein Mädchen wollten, oder wenn sie ihre eigenen unerfüllten Bedürfnisse auf uns projizieren – all das bewirkt, dass wir ein Leben lang an uns selbst zweifeln.

 

Neben Verlust- und Existenztraumata sind vor allem Bindungs- und Entwicklungstraumata sehr verbreitet. Kinder haben eine außerordentliche Begabung, elterliche Bedürfnisse nonverbal zu erfassen. Sie erspüren perfekt, was von ihnen erwartet wird und verhalten sich entsprechend. Doch wenn wir als Kind die Bedürfnisse unserer Eltern erfüllen, wenn wir ihnen Liebe, Trost und Halt geben mussten, dann haben wir eine Verantwortung getragen, die ein Kind nicht tragen kann. Wenn Kinder zum permanenten Helfer, ‚Rettungssanitäter‘ oder ‚Seelsorger‘ ihrer eigenen Eltern werden müssen, nehmen sie seelischen Schaden. Elterliche Bedürfnisse werden uns buchstäblich aufgepfropft und behindern unsere eigene Identitätsentwicklung. Aus dem subtilen Wechselspiel zwischen den eigenen Bedürfnissen und den Bedürfnissen der Eltern geht das Kind immer als Verlierer hervor. Als Erwachsene leben wir dann die verinnerlichten Rollen aus unserer Kindheit weiter.

 

Leider sieht man Kindern ihre Traumatisierungen in den wenigsten Fällen an. Der innere Rückzug verläuft unbemerkt und umso wirksamer, je jünger und hilfloser sie sind. Frühe Beziehungs- und Entwicklungstraumata spielen sich im Stillen ab. Traumatisierte Kinder schweigen um ihre Eltern nicht zu belasten. Sie sind bereit, alles zu tun und auf alles zu verzichten, um das zu erhalten, was ihnen das Wichtigste ist: die elterliche Bindung. Meist treten erst während der Pubertät oder noch sehr viel später erkennbare Symptome auf: Auffälligkeiten im sozialen Kontakt, Bindungsschwierigkeiten, Suchtprobleme, selbstschädigendes Verhalten, Essstörungen, gewalttätige oder impulsive Verhaltensweisen und das Unvermögen, das eigene Leben erfüllend leben zu können.

 

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