Praxis für Psychotraumatherapie
Praxis für Psychotraumatherapie

Missbrauch

"Missbrauch ist Menschen zertreten

wie Gras."

 

                                Else Pannek

 

Missbräuchlichen Umgang mit Kindern stellen Verhaltensweisen dar, die nicht auf die Bedürfnisse der Kinder abgestimmt sind, sondern der Bedürfnisbefriedigung der Erwachsenen dienen. Das beinhaltet das gesamte Spektrum an Verhaltensweisen, bei denen die egoistischen Bedürfnisse der Erwachsenen Vorrang vor denen der Kinder haben. Die häufigste Form ist der emotionale Missbrauch.

 

Kinder werden von ihren Eltern oft für deren Bedürfnisbefriedigung funktionalisiert. Wenn Eltern selbst bedürftig sind, brauchen sie ihre Kinder, um sich von diesen trösten zu lassen, um eine ‚Aufgabe‘ im Leben zu haben oder um sich von sich selbst abzulenken. Die Kinder empfangen diese nonverbalen Botschaften der Bedürftigkeit und stellen sich selbst zurück. Es kommt zu einer Umkehr der Rollen. Das Kind bringt dann dem Erwachsenen Liebe, Trost, Mitleid entgegen, was die erwachsene Person in ihrem Defizit stabilisiert. Das Kind wird dabei jedoch schwer überfordert und in seiner Identitätsentwicklung gestört.

 

Beim sexuellen Missbrauch wird das Kind sexuell ausgebeutet und durch körperliche Erregung verwirrt. Dazu gehören auch sexualisierte Blicke und Stimmungen, selbst wenn es nicht zu körperlichen Übergriffen kommt. Die sexualisierte ‚Behandlung‘ wird vom Kind einerseits gefürchtet, andererseits aber auch als eine Art Zuwendung erlebt. Daraus entsteht eine innere Ambivalenz welche das ganze Leben bestimmt. Ein Kind empfindet Zärtlichkeitsbedürfnisse, die seinem Entwicklungsniveau entsprechen. Wird das Bedürfnis nach Liebe und Zuwendung mit sexuellen Praktiken vertauscht sind die Folgen: zwanghaftes sexuelles Verhalten, Promiskuität, Prostitution, Verwechslung von Sexualität mit Liebe, Aversion gegen romantische Intimität, Schuld- und Schamgefühle, Essstörungen, Selbstablehnung, Selbstbetäubung durch Alkohol, Drogen und Dissoziation.

 

Ein gesunder Sexualakt ist immer ein Gefühlserlebnis, es ist ein Ausdruck von Liebe und persönlicher Zuneigung. Sexualität und Bindungsgefühle gehören zusammen. Wenn wir traumatisiert sind führt das zu einer Trennung von Gefühlen und sexueller Erregung. Der Sexualakt dient dann nur der kurzfristigen körperlichen Abreaktion und führt zu keiner zwischenmenschlichen Verbundenheit. Wir begegnen einander nicht als Menschen mit Bedürfnissen, sondern bloß als Sexualobjekte. Solche gefühllosen Begegnungen werden oft selbst zu Traumaerfahrungen.

 

Tragen wir innere Gefühlsblockaden mit uns herum, können wir nicht zu einer dauerhaften, erfüllenden Partnerschaft finden. Ein behutsames, schrittweises Aufdecken der Hintergründe und Verarbeiten der verdrängten Zusammenhänge ist unerlässlich.

 

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