Praxis für Psychotraumatherapie
Praxis für Psychotraumatherapie

Probleme in Beziehungen

"Die Menschen werden nicht an dem Tag geboren, an dem ihre Mutter sie zur Welt bringt, sondern dann, wenn das Leben sie zwingt, sich selbst zur Welt zu bringen."

 

                                        Gabriel Garcia Marquez

 

Unsere frühen Bindungserfahrungen haben persönlichkeitsbildende Konsequenzen. Die primäre Bindung ist mit einer ‚Prägung‘ zu vergleichen. Die emotional stabile Bindung eines Kleinkindes an seine Mutter ist die wesentliche Voraussetzung für seine gesunde psychische Entwicklung. Die Qualität unserer primären Bindung bildet die Grundlage für alle weiteren Beziehungserfahrungen im Leben, denn unser frühes Bindungsmuster behalten wir bei und übertragen es auf unsere späteren Beziehungen. Diese 'Bindungsrepräsentationen' lenken unser Verhalten, die Kognitionen und unsere Emotionen in späteren engen Beziehungen.

 

Frühe Traumatisierungen sind also ein Risikofaktor für das spätere Partnerverhalten. Sie führen zu einer massiven Beeinträchtigung unseres Bindungsverhaltens. War die Bindung unvollkommen oder ‚gestört‘, kommt es auch später immer wieder zu Problemen in der Gestaltung von Beziehungen. In der Interaktion mit unseren Partnern werden die alten Erfahrungen wieder  aufgerufen, i.d.R. ohne dass wir es bewusst mitbekommen. Nicht selten 'suchen' wir uns auch Partnerschaften, die uns ein ähnliches Gefühl vermitteln, wie wir es aus unserer Kindheit kennen. Es ist beispielweise erwiesen, dass Frauen, die als Kinder misshandelt oder missbraucht wurden, sich als Erwachsene leicht auf konflikthafte Beziehungen oder Missbrauchsverhältnisse einlassen.

 

Unsere erwachsenen Beziehungen gestalten sich umso schwieriger, je mehr wir in den Beziehungsstrukturen unseres Herkunftssystem verhaftet und ‚verstrickt‘ bleiben, also dort innerlich gebunden sind. Ein Mann, der sich psychisch von seiner Mutter nicht gelöst hat, kann für seine Frau kein ebenbürtiger Partner sein. Dabei muss uns eine Bindung nicht einmal bewusst sein, und wir müssen sie auch nicht frei gewählt haben. Manche Bindungen gehen selbst über den Tod hinaus. Der Tod löst eine Bindung nicht automatisch auf. Einige Menschen sind an Tote sogar stärker gebunden als an Lebende und entsprechend gestalten sich ihre Beziehungen. Auch an Lebende, mit denen wir keine Beziehung pflegen, kann die Bindung stärker sein als an die Menschen, mit denen wir täglich zusammen sind. Ein Mann kann stärker an seine abwesende Mutter gebunden sein als an seine Ehefrau, mit der er zusammenlebt; eine Frau kann innerlich stärker an ihren verstorbenen Vater gebunden sein als an ihren Ehemann.

 

Diesen Einfluss unserer unbewussten Bindungsprogramme müssen wir allmählich reduzieren lernen. Um an unserer Beziehungsfähigkeit und Beziehungsproblemen zu arbeiten, ist es unabdingbar, uns mit der Qualität und den Auswirkungen unserer verinnerlichten Bindungsmuster auseinanderzusetzen.

 

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