Praxis für Psychotraumatherapie
Praxis für Psychotraumatherapie

Körperliche Symptome

"Der Körper ist der Übersetzer der Seele ins Sichtbare."

 

                     Christian Morgenstern

 

 

Krankheiten sind keine selbständigen, abstrakten und vom betroffenen Menschen unabhängig beschreibbare Größen im Sinne eines isolierten Organgeschehens. Jedes Erkrankungsgeschehen ist ein an die Person, an ihre Lebensgeschichte, ihre Erfahrungen, ihre inneren und äußeren Lebensumstände, an ihre Ängste und ihre Hoffnungen gebundenes biologisches, psychisches, geistiges und soziales Gesamtgeschehen – ein persönlicher Prozess. Körper, Psyche und Geist können zwar theoretisch getrennt voneinander betrachtet werden, in der Realität handeln sie aber niemals unabhängig voneinander.

 

Der Mensch ist eine Ganzheit, was wir oftmals jedoch nicht gern zur Kenntnis nehmen. Als Traumatisierte tragen wir oft viele Symptome die uns unverständlich erscheinen, da uns der Zusammenhang unserer Symptome mit unserem Trauma durch den Verdrängungsmechanismus der Spaltung nicht bewusst ist. Wir möchten nur das aus unserer Vergangenheit akzeptieren, woran wir uns bewusst erinnern. Aber gerade die Teile unseres Lebens, die mit unseren Symptomen in Verbindung stehen, sind unserem Bewusstsein entzogen. Was verdrängt ist, ist gerade deshalb umso wirksamer. Der Ausbruch von akuten Symptomen muss nicht unbedingt bedeuten, dass diese Symptome im Hier und Jetzt ihren Ursprung haben. Sehr viele gegenwärtige Erkrankungen erweisen sich als Ausdruck unaufgearbeiteter Erfahrungen aus der Vergangenheit.

 

Natürlich können Symptome kontrolliert, unterdrückt und versteckt werden, doch das heißt nicht, dass sie beseitigt sind. Solange wir etwas nur unterdrücken, müssen wir immer mit dem erneuten Ausbrechen oder einer Symptomverschiebung rechnen. Denn die innere Spannung, die zu den Symptomen geführt hat, ist durch die Unterdrückung keineswegs beseitigt. Mit zunehmendem Alter wird der Kraftaufwand, um die Verdrängung aufrecht zu erhalten, größer, unsere Abwehrmechanismen werden instabiler und die Symptome nehmen zu.

 

Der Ausspruch ‚Die Zeit heilt alle Wunden‘ gilt nicht für Trauma. Durch Abspaltungen sinkt das Trauma ins Unbewusste. Unser Körper ist ein Sarkophag für verdrängte Gefühle aller Art. In körperlichen Erkrankungen und scheinbar unerklärlichen Symptomen wie Angstattacken oder Selbstschädigungen kommt seine unaufgelöste Energie zum Ausdruck. Der  verdrängte Schmerz bleibt so unverfälscht rein wie an dem Tag, als er entstanden ist. Dass wir die meiste Zeit über nicht fühlen, was in unserem Körper geschieht, liegt daran, dass wir es nicht zulassen. Doch unsere verdrängten Schmerzen sind immer da, auch wenn wir sie nicht spüren, und sie produzieren Symptome - bis wir die Verbindung zu ihnen herstellen.

 

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